Marienaltar

Im Jahr 1996 wurde die aus dem 18. Jahrhundert stammende Skulptur Muttergottes mit Kind in einen neuen Marienaltar integriert. Ein wirkliches Kunstwerk, geschaffen vom Ravensburger Künstler Josef Henger. Aus einem Wurzelstamm heraus erwächst der Stamm Jesse, aus dem der schon lange erwartete Erlöser Israels hervorgehen soll. Dies verdeutlicht eben die in der Mitte thronende Muttergottes mit dem Jesuskind. Zur Bekräftigung, dass durch Jesus Leben und Wachstum in seiner ganzen Fülle ermöglicht wird, treibt der Stamm seitliche Triebe. Weiter nach oben entfaltet sich das Ganze in seiner vollen Gestalt in einer Art dreiblättrigem Kleeblatt oder in drei Scheiben. Diese Scheiben haben jeweils 5 Durchbrüche, aus denen strahlenförmig sich eine Kraft nach außen drängt. Das Gesamtwerk wirkt sehr dynamisch und lebendig. Zu diesem Eindruck tragen bei die rosenartig gestalteten Gebilde um die Figurengruppe herum. So besitzt nun unsere Kirche auch einen Marienaltar.

Unser Marienaltar künstlerisch gedeutet

Ein Kunstwerk ist ein sichtbares Symbol der vielfältigen menschlichen Kreativität, Begabung und Fähigkeit etwas auszudrücken, was mit bloßen Worten zu wenig und zu schwach wäre. Es ist ein bleibendes Werk, das sprechend, ansprechend verstanden werden will. Kunst christlich geschaut, ist ein Mittel, eine Möglichkeit, Glaube und Religion konkrete Gestalt werden zu lassen, In diesem Sinn ist unser neuer Marienaltar zu deuten. So hat ihn Josef Henger, sein Schöpfer aus Ravensburg, mit Herz und Verstand entworfen und unter seinen Händen Gestalt werden lassen: Glaube, der Gestalt wird und dadurch greifbar und begreifbar(er), auf andere Art zugänglich.

Die religiöse Deutung

Ein Kunstwerk kann man verschieden interpretieren, je nach Absicht des Künstlers und des Werkes selber. Unser Marienaltar steht natürlich im engsten Zusammenhang mit der mitten in ihm trohnenden Muttergottes mit dem Jesuskind. Beide bilden die Mitte und ergeben erst gemeinsam die gewollte Aussagekraft. Mutter und Kind gehören zusammen. Ohne Mutter kein Kind und ohne Kind keine Mutter. Jesus ist nur mit der Mutter Maria denkbar und umgekehrt. So war und ist es der Wille Gottes. Maria ist die Mitte, die ausströmt und weitergibt, was sie zuvor aus dem Wurzelstamm empfangen hat. Sie ist nicht der Ursprung. Sie ist Mittel, Zeichen, Werkzeug im Dienste des Göttlichen. Der Ursprung des Wurzelstammes liegt im Geheimnisvollen verborgen. Es ist für uns Irdische nicht erkennbar. Seine Schöpfung geschah durch göttlichen Willensakt. Er erinnert uns an die " Wurzel Jesse " , aus der der schon lange erwartete Erlöser Israels hervorgehen soll. Dieser Stamm wächst durch viele Generationen und Geschlechter und entfaltet sich zur vollen Reife als die " Zeit erfüllt " war.
Sie ist erfüllt, als Jesus in Maria durch den Heiligen Geist menschliche Gestalt annimmt. Die Mutter hält das Kind sicher und hält es zugleich uns Menschen entgegen. Sie hält es nicht fest, sondern gibt es (uns) her, lässt es los!
Maria hat die Gabe des Loslassen- könnens. Denn sie darf das Kind nicht für sich behalten. Sie hat die Aufgabe im Empfangen, Bewahren, Gestalten, Reifen, Entfalten und Hergeben.
Sie hat Jesus zu helfen, seine Sendung, seinen Auftrag erfüllen zu können. Ein Hinweis für uns, dass auch wir nichts und niemanden festhalten können, dass wir im Hergeben, im Offensein Empfangende sein werden.
Wenn wir durch Geben leere Hände bekommen, werden sie durch Gottes Gaben noch viel reichlicher wieder gefüllt, ja unser Leben wird (sinn-) erfüllter, fruchtbarer.
Der Sinn des Lebens von Maria bestand darin, uns Jesus zu schenken. Das hat sie zutiefst beglückt und beseligt, selig werden lassen. Ein Synonym dafür ist die Liebe. Sie erhält ihre Existenzberechtigung im Empfangen und Hergeben.
Ein Symbol für Liebe sind Blumen, vor allem Rosen. Jedermann versteht die Geste, wenn Rosen verschenkt werden, als ein Zeichen der Zuneigung, des Wohlwollens und der Liebe. Gottes Liebe schenkt uns Jesus durch Maria. Beide sind die menschliche Verkörperung der Liebe Gottes. Die symbolische Bedeutung der Rose wird überliefert durch mittelalterliche Mystik, durch das heimische Brauchtum und die Blütenfarbe. Die rote Blütenfarbe war nach dem Kirchenvater Cyprian und nach Bernhard von Clairvaux das Symbol des Leidens und Martyriums. Die rote Rose symbolisiert für alle Zeiten die Erinnerung an das Leiden der Gottesmutter mit ihrem Sohn. Die Malerei und Bildhauerkunst (Plastiken) hat dann diese Symbolik so dargestellt, dass sie der Muttergottes entweder eine Rose in die Hand gab oder Maria innerhalb eines Rosenzaunes darstellte. In Gemälden und Kirchenliedern kommt dies besonders deutlich zum Ausdruck. Auch bei den Marienerscheinungen an verschiedenen Orten spielen Rosen immer eine Rolle und gehören zum Erscheinungsvorgang. So z. B. in Lourdes, in Fatima und im mexikanischen Guadeloupe.